Unternehmensführung im Zeitalter des digitalen Wandels

Kultur, Kunden und Kosten

In einer Airport-Lounge kam ich ins Gespräch mit einem Softwareentwickler. Er fragte mich, ob ich wüsste, welche App die wohl am häufigsten geladene während der Fussball WM in Deutschland gewesen sei, also während des „Fussball-Sommermärchens“.

 

Wissen Sie die Antwort?


Ich überlegte und dachte an FIFA, DFB oder eine Spielplan-App. Weit gefehlt! Die WM in Deutschland (mit „Schweini“ und „Poldi“) fand im Jahr 2006 statt.

 

Erst ein Jahr später, also im Jahr 2007, stellte Steve Jobs das iPhone mit den Worten vor, Apple würde damit das Telefonieren neu erfinden. Er sollte Recht behalten! Es gab 2006 weder das iPhone noch Fussball- oder sonstige Apps! 


Das digitale Zeitalter (Digital Age) führt zu einem Wandel des bestehenden Verständnisses von Kunden, Geschäftsbeziehungen und Wertschöpfungsketten.


Umso beeindruckender ist es zu beobachten, dass junge Technologien wie das Smartphone oder das Tablet aufgrund ihrer Anbindung an das Internet das Informations-, Kommunikations- und Konsumverhalten vieler Menschen beeinflussen. Längst sind die Informationssammlung in Online-Tageszeitungen oder Wissensportalen, das Buchen von Reisen, das Erwerben jedweder Produkte im Netz für die Mehrheit der Bevölkerung eine Selbstverständlichkeit, und der Trend nimmt weiterhin zu. Innovative Unternehmen sind in den letzten Jahren entstanden und haben etablierte Geschäftsmodelle gänzlich auf den Kopf gestellt. Andere haben mit disruptiven Innovationen neue Produkt- und Konsumwelten geschaffen.

Mit seinen Bemerkungen hat mich mein Sitznachbar zu weiterem Nachdenken angeregt. Während der digitale Wandel mir als Privatperson in vielen Lebensbereichen Bequemlichkeit verschafft, kann er für einen Unternehmer zu einer existenziellen Herausforderung werden. Das digitale Zeitalter (Digital Age) führt zu einem Wandel des bestehenden Verständnisses von Kunden, Geschäftsbeziehungen und Wertschöpfungsketten. Sowohl Chancen wie auch Risiken müssen sorgfältig abgewogen werden, bevor man sein Unternehmen strategisch ausrichtet. Im Grunde war dies schon immer so. Aber durch die Möglichkeiten der Digitalisierung sind die Veränderungen revolutionär. Mein Neokortex beginnt unverzüglich damit, Strukturen zu identifizieren, Muster zu erkennen und Optionen abzuleiten. 



Ist wohl eine Eigenschaft, die mein Beruf als Hochschullehrer mit sich bringt. Mir wird bewusst, dass sich die Frage der Digitalisierung betriebswirtschaftlich betrachtet zunächst auf drei Ebenen abspielt. Als erstes stellt sich die Frage nach der Kultur. Nur wenn Unternehmer bereit sind, sich vorurteilsfrei und visionär mit dieser Thematik und ihren Möglichkeiten auseinanderzusetzen, können sich Erfolgspotenziale für das Unternehmen eröffnen. Diese Erfolgspotenziale können auf den Kundennutzen einerseits und die Transaktionskosten andererseits auswirken. 


Während meine Gedanken um innovative Geschäftsmodelle kreisen, werde ich von der freundlichen Stewardess abgelenkt, die mich nach meinem Getränkewunsch fragt. Ich bitte sie um einen Tomatensaft. Zeitgleich surfe ich in 40.000 Fuß Höhe im Internet, schaue durch meine Webcam nach, wie das Wetter zu Hause ist und sehe, dass der Mähroboter im heimischen Garten seine Runden dreht. Ein weiterer Tastendruck reicht, um die Rollläden über das Internet zu aktivieren, die langsam hochfahren, während mir der Bildschirm des Airbus 380 zeigt, dass wir in zwei Stunden in Düsseldorf landen werden. 

 

Der Fluggast neben mir, ein elegant-sportlich gekleideter Herr um die 60, bemerkt meine Spielerei, und wir kommen ins Gespräch. Er halte ja nicht allzu viel von diesem ganzen technischen Firlefanz, aber man müsse ja mit der Zeit gehen. Er selbst habe ja auch schon seit einigen Jahren eine Homepage für sein Unternehmen. „Wir betreiben in der dritten Generation ein Vier-Sterne-Hotel im Rhein-Main-Gebiet. Unser Restaurant wird sogar ein diversen Schlemmerführern erwähnt. Die meisten unserer Gäste sind Geschäftskunden, also Unternehmen aus der Region, mit denen wir noch persönlich Rahmenverträge über Tagungen und Seminare abgeschlossen haben.

Digitale Technologien ermöglichen es, den wahrgenommen Wert einer Marke und ihre Erlebbarkeit zu steigern. Die Kundenerfahrungen an den zahlreichen Kontaktpunkten mit einer Marke können positiv aufgeladen werden. Gleichsam kann die gesamte Wertschöpfung - von der Fertigung bis zur Customer Journey - wirtschaftlicher gestaltet werden. Damit diese Gedanken vor dem Landeanflug nicht verpuffen, sammle ich diese in Form einer Checkliste auf meinem Tablet. Ich verspreche meinem Nachbarn, ihm diese Checklist per eMail zuzusenden. Damit kann er in einem ersten Schritt prüfen, ob einige Möglichkeiten der Digitalen Transformation für sein Geschäft interessant sein können und oben er bereits entsprechende Weichen gestellt hat.

 

Haben auch Sie Interesse an der Checklist? Dann klicken Sie hier!

 

 

Der Airbus überfliegt den Baldeneysee in Essen, vorbei an der Villa Hügel, der ehemaligen Residenz der Krupp-Dynastie. Kohle und Stahl. Ja, die Wirtschaft hat sich tiefgreifend verändert. Wir landen auf die Minute genau. Am Flughafen holt mich meine Tochter ab, die meinen Flug auf einer Handy-App verfolgt hat und pünktlich am Flughafen ist.


Im Zuge der Bankenkrise ist das Geschäft im Frankfurter Raum aber zurückgegangen. Die müssten halt sparen. Wir müssen uns daher um neue Kunden kümmern. Ausserdem wollen wir unser Wochenendgeschäft mit privaten Kunden weiter ausbauen. Unsere Kinder raten uns dazu, auch in sozialen Medien wie Facebook und Instagram vertreten zu sein. Zudem sollten wir uns mal mit Buchungsportalen beschäftigen. Aber jetzt haben meine Frau und ich erst einmal eine Woche Urlaub gemacht. Als Unternehmer kommt man ja nicht allzu oft dazu, mal abzuschalten.“

 

 

Emirates Airbus