Gott segne meine Kunden

von Heiko Auerbach / 06. November 2020


Kundenorientierung in der Praxis - ohne BWL-Studium. Ein Lehrstück am Strand von Rio.


Ich habe Marketing studiert, viele Jahre im Marketing gearbeitet und nun lehre ich Marketing an einer Hochschule. Was echtes Marketing jenseits von Werbeversprechen und Markenstrategien aber wirklich bedeutet, ist mir vor nicht allzu langer Zeit am Strand von Ipanema in Rio begegnet. Nach einem Beach-Soccer (Futebol) Spiel mit Freunden hatten wir reichlich Durst und kauften bei einem Strandverkäufer eiskalten Mate-Tee. Auf dem Behälter, der den Tee enthielt, war zu lesen „Gott segne meine Kunden“. Dummerweise hatten wir „Gut-Verdiener“ (Brasilianer und Deutsche) nicht einmal genug Geld griffbereit, um zu bezahlen. Am Strand von Rio hält man sich besser mit nur sehr wenigen Habseligkeiten auf.... Das war uns sehr peinlich.

„Macht nichts“, sagte João, ein aufrechter Typ aus einem Armenviertel (Favela). „Dann zahlt ihr halt morgen oder irgendwann, wenn ihr wieder am Strand seid, den Rest.“ Am nächsten Tag kamen wir wieder. Mit genügend Geld und reichlich „Zinsen“, um unser  schlechtes Gewissen zu beruhigen. Bevor wir unsere Restschuld begleichen konnten, lächelte João uns schon entgegen und zapfte uns seinen köstlichen Mate-Tee. „Alemão“ (Deutscher) sagte er zu mir „kennst Du eigentlich Toni Kroos?“ „Wieso sollte ich?“ „Na, Du bist doch aus Deutschland, oder?“ „Nicht persönlich, aber er kommt ursprünglich aus der Gegend, in der ich arbeite.“ „Dann grüß ihn mal. Toller  Fussballer.“ „Mach ich, wenn ich ihn mal sehen sollte,“ versprach ich.

 João kommt gut über die Runden, obwohl die Arbeit hart ist. Den ganzen Tag bei 30 Grad mit 20 kg auf den Schultern durch den heißen Sand laufen. Für ein paar Reals. Natürlich muss er Geld verdienen. Das klappt bei João auch ganz gut. Weil er zuerst für seine Kunden da ist. Erst dann kommt das Business.

 

PS: Auch wenn er dies wohl nie lesen wird: schöne Grüße an Toni Kroos.