Vom Student zum Entrepreneur - warum eigentlich nicht?!

von Heiko Auerbach / 02.02.2021


In jedem Semester führe ich eine - zugegebenermaßen nicht ganz repräsentative - Umfrage unter Studentinnen und Studenten durch. Mich interessiert, wofür sich die Studis grundsätzlich eher entscheiden würden: einen Berufsstart bei einem Unternehmen im Angestelltenverhältnis oder als selbstständige Unternehmer.

"BWL studieren kann man, wenn man Bücher liest. BWL verstehen wird man, wenn man ein Unternehmen aufbaut."

Das Ergebnis ähnelt sich kontinuierlich seit mehreren Jahren. Rund ein Drittel der Studierenden würde gern den Weg in die Selbstständigkeit gehen. Dafür werden sehr interessante Gründe und Motive genannt, die zunächst einmal mit der Chance auf Wohlstand und Reichtum, also finanziellen Anreizen, wenig zu tun haben. Die am häufigsten genannten Motive sind

  • Selbstverwirklichung einer Idee und eines Lebensziels,
  • Unabhängigkeit von vorgesetzten Entscheidungsträgern,
  • die Möglichkeit, selbst etwas gestalten zu können.


Im Mittelpunkt steht die Frage nach einem Sinn oder einer Mission. Eine Antwort auf die Frage nach dem „warum“ können die meisten Unternehmen und Konzerne nicht beantworten. Bei der Beteiligung an einer Gründung wird diese Frage beantwortet.

Was hindert Studierende also daran, allen Mut zusammenzunehmen und etwas Eigenes aufzubauen? Die Chancen und Voraussetzungen sind besser denn je: das Internet ermöglicht völlig neue Perspektiven, Unternehmen mit verkrusteten Strukturen die Stirn zu bieten oder etwas gänzlich Neues aufzubauen. Wissen und Talent sind verfügbar wie nie zuvor. Jüngere Menschen lösen sich zunehmend von gesellschaftlichen Zwängen und etablierten Denkweisen und sind Treiber von Veränderungsprozessen. Schließlich ist der Start in ein Dasein als Entrepreneur gerade während des Studiums ein idealer Zeitpunkt, da sich finanzielle Verpflichtungen und Belastungen aufgrund eines bis dahin eher genügsamen Lebensstils (Wohnen, Reisen, Familie, „Luxus“) im Rahmen halten. Im Dialog wird deutlich, dass zwar ein Wunsch nach selbstständigem Unternehmertum besteht, dieser aber an

  • dem Fehlen einer zündenden Idee,
  • Möglichkeiten der Finanzierung,
  • dem Gefühl, allein dazustehen, wenn Aufgaben zu bewältigen sind, die nicht mit den eigenen Kompetenzen gelöst werden können
  • sowie dem Fehlen eines Netzwerks mit Gleichgesinnten, mit denen man sich regelmäßig austauscht und Erfahrungen teilt, 

bereits vor einer konkreter werdenden Umsetzungsplanung aufgegeben wird. Letztlich steht man doch allein da. Da ist vielen der Gedanke an die Integration in ein bereits existierenden Unternehmen als Angestellter doch beruhigender und angenehmer. Doch das muss nicht sein.

 

 

Immer mehr studentische Initiativen gründen sich aus dem Gedanken des Entrepreneurship. In Vorpommern entsteht ein studentisches Netzwerk, das Studierende unterstützen möchte, mit Gleichgesinnten rund um die Themen Entrepreneurship und Unternehmensgründung in Kontakt zu treten. Unterstützt wird die Initiative „gruendungswerft.com“ unter anderem von der Hochschule Stralsund und der Universität Greifswald. 

Die Gründungswerft fügt sich als eingetragener, gemeinnütziger Verein nahtlos in das Gründungsnetzwerk der Region Vorpommern ein und bildet die studentische Gemeinschaft aus Gründungsinteressierten, Gründern und StartUps. Die Gründungswerft setzt mit einem aktiven Vereinsleben bei den Ideen und Köpfen innerhalb der Studierendenschaft an und bietet die idealen Voraussetzungen für vielfältig gestaltete Partnerschaften direkt an der innovativen Wurzel. Um StartUps der Region bei der Verwirklichung von Gründungsideen zu unterstützen, werden Impulse gesetzt und Partner in der Gründerszene zum richtigen Zeitpunkt ins Spiel gebracht.

Studierenden kann nur empfohlen werden, sich in solchen Initiativen zu engagieren. Selbst dann, wenn man nicht selbst gründen will, werden sich sicherlich Gelegenheiten ergeben, die eigenen Talente, Fähigkeiten und Kompetenzen einzubringen. Andere werden davon bestimmt profitieren und man selbst wird sich weiterentwickeln. Informiert Euch einfach mal:
Home: gruendungswerft.com
Instagram: @gruendungswerft

Ein deutscher Top-Manager, der lange Zeit in Shanghai gearbeitet hatte und für den chinesischen Markt seines Unternehmens verantwortlich war, fragte mich einmal, ob ich wüsste, was „gründen“ auf chinesisch heißt. Ich verneinte, denn Mandarin habe ich nicht gelernt. Er sagte: „Fang An!“